„Schreiben heißt, sich selber lesen.“ Max Frisch

schreibende Hand
Sabine Nordmann

 

 

 

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Poesie-Therapie

Poesie-Therapie

Schreiben ist ein altbewährtes Heilmittel und hilft vielen Menschen in Krisenzeiten. Poesietherapie wendet dieses therapeutische Potenzial gezielt an und arbeitet mit einer breiten Palette an kreativen Methoden.

Sie nutzt vielfältige spezielle Techniken und Dynamiken des Schreibens als einfache und tief heilsame Methode, Lebenssituationen neu zu ordnen und einen Heilungsprozess innerlich aktiv mitzugestalten.

Im Schreiben durchdringen wir Unverarbeitetes mit Bewusstsein, setzen es ins Sagen, Anschauen und Handeln können.

Poesietherapie mit ihren kreativen Heilmethoden ist in Deutschland noch wenig bekannt, wird aber inzwischen an einigen Universitäten angeboten. Anwendung findet sie bisher in der Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen sowie in der Psychoonkologie und in der Begleitung bei chronischen Krankheiten (Rheuma, Asthma).

Zu allen Zeiten haben Menschen in kritischen Lebensphasen Trost in der Literatur gefunden. Sie haben ihre Gedanken und Gefühle in Tagebüchern und Briefen niedergeschrieben oder eigene Gedichte verfasst. Sie haben Liedtexten zugehört, Romane und Erzählungen gelesen und darin vielfach Parallelen zum eigenen Schicksal entdeckt. Während des Schreibens treten wir in einen intensiven Dialog mit uns selbst. „Schreiben heißt, sich selber lesen“, lautet ein Zitat von Max Frisch.

Sowohl Kränkungen und Verletzungen, als auch bisher unbekannte Kräfte und Fähigkeiten können aufgespürt und sprachlich verarbeitet werden. Die moderne Poesietherapie macht sich die Tatsache zunutze, dass unsere Sprache Ausdrucksmedium der inneren Welt ist.

Worte zu finden für das bisher „Unsagbare“ kann eine heilsame Wirkung haben.

„Schreiben heißt sein Herz waschen“ hat Thomas Mann gesagt. Darüber hinaus macht es vor allem Freude seine Gedanken und Gefühle schreibend auszudrücken.

In Kursgruppen oder in der Einzelarbeit helfen poesietherapeutische Schreibanregungen im Sinne einer Salutogenese-Arbeit bei der Erlebnisverarbeitung und im Selbstmanagement, bei der Stressbewältigung, zur Unterstützung im therapeutischen Prozess uvm.

Schreiben heißt sich selbst entdecken
Die amerikanische Schreibtherapeutin Kathleen Adams fasst den Nutzen des therapeutischen Schreibens in zehn Thesen zusammen:

  1. Die Technik steht immer und überall zur Verfügung. Das heißt, wenn einen etwas gerade besonders belastet oder man Gedanken und Ideen zu grundlegenden Problemen hat, kann man diese sofort aufschreiben und in einer Art innerem Dialog diskutieren. Dazu ist erst mal kein Gegenüber notwendig.

  2. Beim Aufschreiben kann man eine Katharsis erfahren, also eine Art innere Reinigung von negativen Gefühlen und belastenden Erfahrungen. Nach dieser Befreiung ist der Weg buchstäblich frei für eine Weiterentwicklung.

  3. Das Buch oder Blatt Papier, in oder auf das man schreibt, sind absolut verlässliche Utensilien. Für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer Schwierigkeiten mit dem Aufbau von Vertrauen haben, ist das Schreiben die erste Möglichkeit, sich „jemandem“ anzuvertrauen. Dabei können sie sich zu 100 Prozent auf sich selbst verlassen. Und dies zu jeder Zeit und an jedem Ort. Diese Erfahrung mag dazu führen, dass man neu lernt, auch anderen vertrauensvoll zu begegnen.

  4. Durch das Aufschreiben werden Dinge und Ereignisse festgehalten und so überprüfbar gemacht. Das aufgeschriebene kann jederzeit – auch lange Zeit später – nachgelesen und vielleicht neu interpretiert und in Zusammenhang gebracht werden. Es kann eine Entwicklung oder ein Rückschritt festgestellt werden oder eine Sache oder Begebenheit wird – endlich – klarer.

  5. Das Schreiben bietet die Möglichkeit, sich auch den unangenehmen Erfahrungen des Lebens zu stellen. Die dunklen Flecke in der Biografie, die bisher vielleicht verdrängt wurden und fast vergessen sind, werden beim Schreiben erträglich. Man kann sich öffnen und Dinge loslassen, ohne sich dabei vor anderen bloßzustellen.

  6. Beim Schreiben lernen wir uns selbst besser kennen, auch die Seiten an uns, die uns bisher verborgen geblieben sind oder die wir nicht verstehen konnten.

  7. Die Tatsache, dass wir durch das Schreiben Zutritt zu bisher unbekannten Gefühlen und Erfahrungen gewinnen, bedeutet gleichzeitig, dass wir über diese Gefühle nun – da sie deutlich formuliert sind – auch mit anderen sprechen können, seien es Verwandte, gute Freunde oder ein Therapeut bzw. eine Therapeutin. Dabei erfahren wir vielleicht, dass andere Menschen ähnliche Probleme wie wir haben – der erste Schritt heraus aus der Isolation und vielleicht sogar zur Heilung ist getan.

  8. Wen man besser versteht, den kann man ernst nehmen und ihm vertrauen. Genauso geht es uns mit uns selbst, nachdem wir uns schreibend kennengelernt haben. Wir stehen zu uns und unseren Gefühlen, das gibt Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein und das wiederum heißt, dass uns auch andere ernst nehmen.

  9. Nicht zuletzt lernen wir beim Schreiben nicht nur uns selbst kennen, sondern auch die Umstände, die uns so haben werden lassen, wie wir sind, und die unsere Handlungsweisen bestimmt haben. Wir lassen unser Leben Revue passieren und verstehen Zusammenhänge besser – weil wir sie aus der Distanz betrachten. Wir sehen klarer, was uns leitet, was unsere Bedürfnisse sind. Das macht uns zufrieden und authentisch.

  10. Selbst wenn wir das Gefühl haben, dass das Schreiben nichts bringt, die Situation sich nicht ändert, stagniert oder sich eher rückwärts entwickelt: Anhand unserer Aufzeichnungen können wir jederzeit sehen, dass es doch vorangeht. Auch kleinste Heilungsschritte können so besser nachvollzogen werden und uns Hoffnung machen.

Und nicht zuletzt bedeutet das Schreiben, dass wir unser Leben selbst in die Hand nehmen, es positiv kontrollieren und damit nicht mehr ohnmächtig alles über uns ergehen lassen. Mit dem Geschriebenen halten wir ein Ergebnis in den Händen, mit dem wir weiterarbeiten können. Bei einigen sind daraus schöne Geschichten oder Gedichte entstanden.